Was ist KIM – und warum ist der sichere Arztbrief für jede Praxis Pflicht?

Es gibt Themen in der Praxis-IT, die auf den ersten Blick wie technisches Fachchinesisch klingen, im Alltag aber längst angekommen sind. KIM ist eines davon. Wenn Sie schon einmal eine elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung digital übermittelt haben, haben Sie KIM genutzt – vielleicht ohne es zu wissen.
Was ist KIM?

KIM steht für Kommunikation im Medizinwesen und ist der einheitliche, verschlüsselte Kommunikationsdienst der Telematikinfrastruktur. Im Kern ist KIM eine sichere E-Mail – aber eine, die ausschließlich zwischen zugelassenen Teilnehmern des deutschen Gesundheitswesens funktioniert: Arztpraxen, Krankenhäuser, Apotheken, Labore, Krankenkassen.

Der entscheidende Unterschied zu einer normalen E-Mail: KIM-Nachrichten sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt, die Absenderidentität ist durch die TI zertifiziert, und der Dienst ist vollständig in die Telematikinfrastruktur eingebettet. Ein normales E-Mail-Programm kann KIM nicht abbilden – dafür werden ein KIM-fähiges Praxisverwaltungssystem und ein aktiver KIM-Vertrag bei einem zugelassenen Anbieter benötigt.

Das ist keine technische Spielerei. Es ist die Grundlage dafür, dass medizinische Kommunikation zwischen Leistungserbringern sicher, nachvollziehbar und rechtlich belastbar ist.

Was wird über KIM übertragen?

Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) Der bekannteste und verpflichtendste Anwendungsfall. Seit Januar 2023 sind Arztpraxen verpflichtet, Arbeitsunfähigkeiten direkt digital an die Krankenkassen zu übermitteln. Das läuft über KIM. Wer das nicht tut, verstößt gegen eine gesetzliche Pflicht.

eArztbrief Die digitale Übermittlung von Arztbriefen, Befunden und Überweisungen zwischen Arztpraxen, Fachärztinnen, Kliniken und anderen Leistungserbringern. Der eArztbrief wird durch die KV besser vergütet als der Papierweg – ein konkreter wirtschaftlicher Anreiz, der de facto auf eine Pflicht hinausläuft. Wer KIM nicht nutzt, schickt Briefe weiterhin per Post oder Fax – ineffizient, teuer und in der kollegialen Kommunikation zunehmend ein Reibungspunkt.

Weitere Anwendungen Laborkommunikation, strukturierte Mitteilungen zwischen Einrichtungen, zukünftig weitere TI-Anwendungen. KIM ist keine abgeschlossene Funktion – es ist ein Kommunikationskanal, der kontinuierlich mehr Anwendungen aufnimmt. Wer heute KIM sauber eingerichtet hat, ist für diese Erweiterungen automatisch vorbereitet.

Was brauche ich, um KIM zu nutzen?

Drei Dinge:

Ein KIM-fähiges PVS – die meisten aktuellen Systeme unterstützen das, aber die Konfiguration muss korrekt sein.

Ein KIM-Konto bei einem zugelassenen Anbieter – etwa beim DGN, einem der erfahrensten KIM-Anbieter in Deutschland.

Eine aktive TI-Anbindung – Konnektor oder TI-Gateway, mit gültigen Zertifikaten.

Der technische Aufwand für die Einrichtung ist überschaubar, wenn man weiß, was man tut. Die monatlichen Kosten werden seit 2023 über die TI-Pauschale der KV mitfinanziert. Wirtschaftlich ist KIM für die meisten Praxen kein Hinderungsgrund mehr.

Was hat das mit meiner IT zu tun?

KIM ist kein eigenständiges System, das man einfach installiert und vergisst. Es ist in die gesamte TI-Architektur Ihrer Praxis eingebettet: Konnektor oder TI-Gateway, PVS, Kartenterminal, Zertifikate. Wenn einer dieser Bausteine nicht korrekt konfiguriert ist, funktioniert KIM nicht zuverlässig – Übermittlungen schlagen still fehl, ohne dass jemand es sofort bemerkt.

Wer einen Konnektortausch plant, auf ein TI-Gateway wechselt oder ohnehin die TI-Infrastruktur überarbeitet, sollte KIM von Anfang an mitdenken. Eine nachträgliche Einrichtung ist möglich, aber unnötig aufwändiger als eine sauber integrierte Erstinstallation.

Checkliste: KIM in Ihrer Praxis

[ ] Mein PVS unterstützt KIM und ist korrekt konfiguriert.

[ ] Ich habe ein aktives KIM-Konto bei einem zugelassenen Anbieter. [ ] Die eAU-Übermittlung läuft zuverlässig über KIM. [ ] Der eArztbrief wird über KIM versendet – nicht per Post oder Fax. [ ] Meine TI-Anbindung ist aktuell und alle Zertifikate sind gültig.

Häufige Fragen
Ist KIM dasselbe wie eine verschlüsselte E-Mail?

Nein. KIM ist spezifisch für das deutsche Gesundheitswesen und nutzt die zertifizierte Identifikation der TI. Die Absenderidentität ist nicht nur verschlüsselt, sondern kryptografisch belegt. Eine normale verschlüsselte E-Mail – auch mit S/MIME oder PGP – erfüllt die Anforderungen des Gesundheitswesens nicht und ist kein Ersatz für KIM.

Was kostet ein KIM-Anschluss?

Die laufenden Kosten werden seit 2023 über die TI-Pauschale der KV mitfinanziert. Die genauen Konditionen hängen vom gewählten Anbieter ab – sprechen Sie uns oder direkt den Anbieter an.

Kann ich über KIM direkt mit Patienten kommunizieren?

Aktuell ist KIM ein Kanal zwischen zugelassenen Leistungserbringern – Arztpraxen, Kliniken, Apotheken, Krankenkassen. Die direkte Patientenkommunikation läuft über andere Wege, etwa über Patientenportale oder die Kommunikationsfunktionen in Doctolib.

Wir nutzen KIM noch nicht. Was ist der erste Schritt?

? Ein kurzes Gespräch mit uns. Wir prüfen, ob Ihr PVS KIM-fähig konfiguriert ist, beantragen das KIM-Konto beim Anbieter und richten die Anbindung vollständig ein. Das ist in der Regel in einem Servicetermin erledigt.

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